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35. Wann er Heinrich besingt, der, könig, zugleich als ein priester,

Beide rosen getreu einte durch ehelich band. 36. Dies jedoch ist ja viel zu hoch für unsre kamönen;

Granta mag's nicht verstehn, aber wer lebet am hof. 39. Unsere musen jedoch nicht dir sie bringen ein loblied. Singst du doch selbst, und so singest du selber

dein lob.

Die durch den druck hervorgehobenen stellen sind es auch in der wörtlichen übersetzung Cantors. Dieser bemerkt zu distichon 35:

“Hier kann das einzige geschichtswerk Bacons: The history of the reign of king Henry the seventh' nicht gemeint sein, da er darin nicht ‘singt'. Es liegt daher die vermutung nahe, dass in den dist. 33–35 die königsdramen gemeint sind, welche den kampf der beiden rosen darstellen und in Richard III. mit dem siegreichen einzuge Heinrich's VII. ihren abschluss finden."

Aber erstens:

Nachdem die musen bisher gesungen und nichts anderes zu tage gefördert haben als:

Neue methoden und die Instauratio Magna', kann ihr meister, der chorag Bacon, nicht ‘königsdramen singen', sondern nur ein geschichtswerk in prosa schreiben. ‘Singen ist ein ausdruck des euphuismus, wie er auch bei den alten von prosaschriften vorkommt.

Zweitens: Gesetzt, Bacon hätte diese königsdramen gesungen, wo bleibt der ganze Shakespeare?

Wir hätten doch nur ein bruchstück im vergleich zu den 35 theaterstücken, lustspielen, historien und tragödien.

Drittens: Ebenso schön und dichterisch lautete das 11. gedicht: 'Die eheliche verbindung der rosen'.

Und doch ist oben bewiesen worden, dass nur das prosawerk Bacons, die geschichte Heinrichs VII. gemeint war.

Wie sehr Bacon als geschichtsschreiber -- und es ist das sein einziges geschichtswerk - von seinen eigenen landsleuten angegriffen worden ist, und weshalb er es geschrieben ha er schrieb es unmittelbar nach seiner begnadigung –, darüber spricht ed. Spedding, Vol. VI, 1, vorrede s. 1-22.

Dass Randolph, als dichter des euphuismus, von der geheimnisvollen heiligkeit des königtums "singt', dass er Hein

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rich VII. 'als könig und priester zugleich' besingt, dass dies nicht Granta – damit ist (die universität) Cambridge gemeint -- sondern nur der königliche hof versteht, ist nichts als 'schwulst'.

Dieser ausdruck bezieht sich namentlich auf die lobrede, das Encomium, am schlusse des werks. Das lateinische Encomium ist länger als die englische Eulogy.

Spedding VI, 1 s. 243 bemerkt bei der stelle: 'He was a Prince and full of notes and memorials of his own hand, especially touching persons; as whom ')

Den vermutungen wäre also durch diesen verlust der weiteste spielraum eröffnet gewesen, aber der schluss ist erhalten in der lateinischen übersetzung. Dieser schluss, etwas über zwei seiten umfassend, ist also eine rückübersetzung (Spedding s. 243—245).

Hier sind einige hofgeschichten, die nur am hofe, nicht in dem stillen Cambridge, dem musensitze, bekannt sein mochten, erwähnt.

Bezeichnend für das flattering king James' urteil der Catherine Macauly, History of England Vol. I. – ist der erste vergleich Heinrichs VII. mit Salomo.

VII.
Auch diese abhandlung könnte hier ihren schluss haben.

Der unanfechtbaren beweise, dass in keinem der 32 gedichte eine dichterische thätigkeit Bacons als eines dichters wie Shakespeare nachweisbar ist, sind genug erbracht. Es sollen aber noch drei ebenso unanfechtbare beweise folgen:

1. Es ist schon klar kennzeichnend, dass Austin Allibone, A critical Dictionary of English Literature, London 1859, in seinem zehn spalten umfassenden aufsatze über F. Bacon, in dem er die urteile aller bedeutenden männer, sowohl der zeitgenossen als der späteren, sowohl des in- als auch des auslandes, bringt, mit ausnahme der urteile über Bacons wahrhaft schöne und dichterische psalmenübersetzung Translation of Psalms into English Verse 1625) also ein jahr vor seinem

1) The rest of the Ms. is lost.

tode – kein wort anführt, das irgendwie Bacon als dichter, geschweige als dramatischen, hinstellte.

Sodann hat Georg Herbert in dem schon oben erwähnten lobliede auf F. Bacon in 27 versen zeilen

26 schmückende beinamen mit unglaublichem un-geschmack mit 'wenig witz und viel behagen zusammen gebracht.

Bacon heisst: Pontifex veritatis' der wahrheit oberpriester (v. 3) – ein vergleich liegt sehr nahe.

'Der induction gebieter', herr von Verulam (v. 4).

‘Der sonne amtsgenoss', 'die geissel der sophismen’ (v. 13. 14).

'Ein glätter des verstands und atlas der physik,
Vor dem der Stagirit, ein herkules, erlag' (v. 16. 17).
(Der Stagirit ist Aristoteles, aus Stag īra in Macedonien, gebürtig;

statt Alcides im texte habe ich seinen eigentlichen namen

Herkules' gesetzt). Diese beispiele werden genügen; zwei andere: der litterarische Brutus' und der wurfspeer der gründlichkeit' sind schon oben erwähnt. Man sucht unter den 26 ehrentiteln:

* Terentius Britannicus, poëta nobilis' oder, um einen anderen vers im stil der 27 verse zu geben:

Theatri promus et choragus inclytus
Theater-meister und chorag von weltenruf'.

Vergeblich!
'Difficile est satiram non scribere' sagt Juvenal.

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2. Zweitens: Dr. theol. William Rawley (1588-1667) 'He was called Bacons learned chaplain and merited the title'. Er war sein langjähriger sekretär (amanuensis), leistete ihm geheime, aber nützliche dienste, schrieb unter seinem diktate, sammelte für ihn materialien und gab seine werke heraus, fügte die vorreden oder widmungen hinzu, übersetzte mehrere werke Bacons ins lateinische.'

Bacon vermachte ihm nicht nur geld und eine Polyglottenbibel, die dem könig von Spanien gehört hatte, sondern auch seinen ganzen litterarischen nachlass. (A. Allibone a. a. o. unter Bacon und die hier angeführten zeugnisse; Morin in der Nouvelle Biographie générale Paris 1853, Didot Vol. IV).

Rawley schrieb die biographie Bacons, lateinisch und deutsch (Spedding a. a. o. Vol. I, s. 3—18) (Op. Bacon. ed. Schoenwetteri [Francofurti ad Moenum 1665] fol. mit einem zusatz, in dem die gegner Bacons abgefertigt werden).

Von dieser urteilt Hallam Lit. Hist. of Europe ed. 1854. 11, 389.

"His life by Rawley, the best authority we have".

Aber vergeblich sucht man in der biographie ein zeugnis für des philosophen dramatische oder auch nur dichterische thätigkeit mit ausnahme des Ovidischen pentameters:

Et quod tentabam scribere, versus erat. Dieser bezieht sich aber, wie der zusammenhang auf das klarste ergiebt, nur auf die witzige unterhaltungsgabe Bacons.

Im jahre 1657, also 31 jahre nach dem tode Bacon's und 34 jahre nach dem Shakespeare's, erfüllte Rawley, was Robert Ashley im jahre 1626 in seinem trauergedichte auf Bacon (v. 21. 22) von dessen werken gesagt hatte: “Ein teil liegt noch begraben, dem andern gewähret zu

schauen Helle des tags Rawley, des Francis getreuer Achates."

In jenem jahre erschien die Resuscitatio mit der sammlung der 32 trauergedichte und seinem prophetischen vorworte (London 1657) 1661 in fol. et Opera varia (ibid. 1658 in 8°).

Und dieser getreue Achates sollte während seiner langjährigen mitarbeiterschaft und in den folgenden 31 jahren beim durchforschen des litterarischen nachlasses nie ein wort, eine zeile, einen entwurf jener 35 theaterstücke zu gehör oder gesicht bekommen, oder solches gar unterdrückt und beseitigt haben?

Unglaublich!

3. Drittens: Am schluss von Dr. Rawley's Life of Bacon (ed. Spedding I, s. 18) heisst es: where he hath a monument erected for him in white marble (by the care and gratitude of Sir Thomas Meautys, knight, formerly his lordship's secretary, afterwards clerk of the Kings Honourable Privy Council under tuo kings); representing his full portraiture in the posture of studying, with an inscription composed by that accomplished gentleman and rare wit, Sir Henry Wotton.

Eine nachbildung dieses denkmals - Bacon in sitzender stellung nachdenkend -- ist in Nath. Holmes, The autorship usw. New-York 1867 vor dem titelblatt wiedergegeben. Die lateinische inschrift lautet in wörtlicher übersetzung:

Francis Bacon, Baron von Verulam, Viscount von St. Alban

oder mit bekannteren titeln der wissenschaften leuchte, der wohlredenheit gesetz,

pflegte so zu sitzen.
Der, nachdem er alle geheimnisse der natürlichen
und bürgerlichen weisheit entwickelt hatte,

den beschluss der natur erfüllte.
Das bestattete mag sich auflösen.

Im jahre des herrn 1626

des alters im 66sten.
Dem gedächtnis eines so grossen mannes

hat Thomas Meautys
des überlebenden verehrer
des verstorbenen bewunderer

dies errichtet.

Sir Thomas Meautys, der verehrer und bewunderer, Sir Henry Wotton, der mann von 'rare wit, oder gar der steinmetz, sollten den ersten, bekanntesten ehrentitel:

Poetarum princeps oder:

Theatri Lux oder:

Terentius noster

vergessen haben?

Unmöglich!

Wir sind am schluss.
Rawley schrieb am schlusse seines vorworts (1626):

'Es mag genug sein, jene (32 gedichte) gleichsam als grundsteine im namen des gegenwärtigen jahr

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