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für die breite masse der bevölkerung ist die schule wichtiger, als die kanzlei des notars oder bürgermeisters, und wenn sich in der schule andere einflüsse geltend machten, so mussten sie schliesslich auch in der schriftsprache emporkommen. Dass nun in der schule auch Londoner einfluss eindrang, hat Morsbach (s. 7) wahrscheinlich gemacht anders lässt sich das endgiltige überwiegen hauptstädtischer elemente auch nicht erklären —; aber sicher musste sich dort auch die einwirkung Oxfords bemerkbar machen, mit dessen kreise wohl alle lehrer in irgend welcher verbindung standen. Hätte nicht neben der Londoner hauptstömung auch eine starke Oxforder unterströmung bestanden, so würde kaum Wycliffe zu seiner Bibelübersetzung den Oxforder statt des heimischen oder des Londoner dialektes gewählt haben, würde nicht Pecock seinem beispiel gefolgt sein, würden wir vielleicht nicht to move, houses mit i in der endung, kaum I found, I fought sprechen, hätte sich wahrscheinlich das alte -th (neben s) in der 3. sing. und die historische schreibung -e in verbalformen nicht bis heute erhalten.

($ 401) Uebrigens glaube ich, dass die vorliegenden untersuchungen von dem stärkeverhältnis zwischen beiden strömungen kein richtiges bild geben. Ich konnte eingehend behandeln die sprache von Suffolk und Norfolk, d. h. zweier grafschaften aus der Londoner einflusssphäre; dass hier die sprache der hauptstadt am kräftigsten wirken konnte, ist klar. Wesentlich anders jedoch lagen die verhältnisse in Worcester, einer grafschaft in der nähe von Oxford; hier waren die Oxforder einflüsse bedeutender - vielleicht hätten sie noch mehr überwogen, wenn das untersuchungsmaterial auch nur annähernd so gross gewesen wäre, wie bei Norfolk und Suffolk.

(S 402) Das ergebnis all dieser widerstreitenden einflüsse ist schliesslich die sprache des ersten druckers. Will man überhaupt die entstehung der schriftsprache an einen bestimmten namen knüpfen, so verdient am ehesten diese ehre William Caxton.

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Die vorliegenden untersuchungen wurden im englischen seminar zu Berlin angefertigt, in dessen reichhaltiger bibliothek ich fast sämtliche durchsuchten quellenwerke fand. Dem

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WILHELM DIBELIUS, JOHN CAPGRAVE ETC.

direktor des seminars, meinem hochverehrten lehrer prof. Brandi, spreche ich zum schluss für die anregung zu dieser arbeit und die stets bereite, freundliche förderung meinen ergebensten dank aus.

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Berichtigungen nnd Nachträge. Zu § 37, s. 180, zeile 4: Lies 'vor ng fast überall o'statt'a'. Zu $ 42, zeile 12: Lies 'o-formen' statt 'e-formen'. Zu 45: Auch Chaucer kennt augt, naugt, vgl. ten Brink

$ 255. Zu § 61 PL: Wo hat viermal ony, einmal any. Zu § 74 PL: wut (s. 335 unten) möcht ich nicht mehr aus

wot < wāt ableiten, sondern sehe darin eine neubildung zum pt. wust (vgl. Kath.) mit verdumpfung des i

durch w-einfluss. Auf seite 469 gehört vor beginn des zweiten absatzes die

ziffer (§ 213).

BERLIN (GROSS-LICHTERFELDE).

WILHELM DIBELIUS.

ZUR ENGLISCHEN WORTGESCHICHTE.

1. bidene. Die deutung dieses me. adverbs macht schwierigkeiten, wie z. b. das NEDict. ausweist. Aber ich glaube etwas zu gunsten der oft vorgeschlagenen, aber ebenso oft wieder verworfenen deutung aus einem mutmasslichen midóne beibringen zu können. Der einwand, dass dies im Angls. nicht bezeugt ist, erscheint mir nicht durchschlagend. Die lautliche seite jener annahme macht aber nicht soviel schwierigkeiten, wie man meist glaubt. Wir beobachten nämlich, dass m leicht in b übergeht, wenn n mit im spiel ist --- also eine art dissimilirung wie in angl. heofon asächs. hëtan aus einer grundform hëman (hëmun); vgl. auch angl. geofon = asächs. gëban mit anord. geimi (Kuhns Zschft. 26, 87). Dem me. adverb steht lautlich nahe das ndl. bezaan "besaanmast' frz. mizaine, ital. mezzana 'besaanmast' (lat. grdf. mediana). So wird auch mhd. betalle aus mitalle hervorgegangen sein. Eine abweichende lautbewegung, unter abweichenden aber doch verwandten lautverhältnissen zeigen mhd. bidemen 'beben' aus bibinôn und mhd. pfödeme aus pebano.

2. gear. Me. gére ist bisher unklar. Ten Brink hat Angl. I 533 die qualität des tonvokals bei Chaucer festgestellt. Das NE. Dict. führt das wort von ungefähr 1200 herab bis auf 1600. Aber nicht bloss das etymon ist unsicher. Bisher ist die frage auch nicht erledigt, die man als vorfrage nach der etymologie erst zu erledigen hätte, welcher herkunft das į ist. Ist die zusammenstellung richtig, die me. gộre mit an. gørvi, gere verbindet, so wäre das į der tonsilbe die mittelengl. dehnung in offener silbe. Aber das & war bereits vor der periode der

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FR. KLUGE, ZUR ENGLISCHEN WORTGESCHICHTE.

dehnungen vorhanden, wie ich glaube nachweisen zu können. Das Orrmulum, dessen sprache immer noch hilft ungelöste sprachrätsel zu enträtseln, bietet unser wort, aber bisher hat man es verkannt und so fehlt der Orrmbeleg auch dem NE. Dict. An der betreffenden stelle hat man bisher den plural gééress mit zéress 'jahre' verwechselt: v. 8050 childess géress (=v. 8044 barrness þówess) und v. 10885 fra childess géress (wo Holts ausgabe fälchlich zeress liest). Es ist sicher, dass únser wort, das Bradley im NEDict. aus den Trinity Homilien um 1200 im plural geres mit der bedeutung ‘manners, behaviour' belegt, an den Orrmstellen passt; dann aber ist natürlich me. gēre nicht durch die me. dehnung zu seinem langen tonvokal gekommen. Ich bin nun leider nicht in der lage, die etymologie des Wortes von hier aus zu bestimmen. Aber an engl. ursprung glaube ich nicht, es tritt auf in der zeit, wo sich die nord. wie die französ. einflüsse mehren. Der verdacht der entlehnung bestätigt sich. Aber bei dem aufsuchen des etymons ist von © = auszugehen. Ich glaube nicht, dass es sich um ein skandin. wort handelt; dafür ist es um 1200 zu selten und späterhin zu oft belegt.

3. me. glaive. Zu den im NEDict. von Bradley beigebrachten belegen für dieses wort lässt sich wohl ein um hundert jahre älterer beleg beibringen aus Vices a. Virtues s. 69, wo gleves and skentinges and hundes and havekes in einem athem, offenbar als inbegriff der freuden der jagd zusammen genannt werden. Die annahme des herausgebers, dass hier gleves = ne. glee sei, ist unhaltbar. Ich würde auf diese von Bradley übersehene stelle nicht zurück kommen, wenn Holthausen nicht neuestens Havel. 1864 gleyves s. 95 in glebes änderte. Die bedeutung 'speer' ist an dieser stelle nicht zu beanstanden, wohl aber Holthausens konjektur; denn wie Bradley im NEDict. nachweist, ist ne. glebe in der von Holthausen angenommenen bedeutung erst seit 1500 nachweisbar. Wenigstens müssten belege für die zeit am 1300 erst beigebracht werden.

FR. KLUGE.

DIE TEXTVARIANTEN VON BEAUMONT UND FLETCHERS „PHILASTER,

OR LOVE LIES A-BLEEDING“ etc., NEBST EINER ZUSAMMENSTELLUNG DER AUSGABEN UND

LITTERATUR IHRER WERKE.

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Dieses lustspiel schrieb Fletcher allein, denn „it was licensed“ am 19. Oktober 1624 von Sir Henry Herbert, also acht jahre nach dem tode Beaumonts. In Malone's Shakespeare (hsg. von Boswell, III. 226, 228) finden wir die bemerkungen:

"Upon All-hollows night, 1624, the king beinge at Roiston,

no play.” The night after, my Lord Chamberlin had Rule a Wife and Have a Wife for the ladys, by

the kings company. “ Upon St. Steevens night, the prince only being there,

Rule a Wife and Have a Wife, by the kings company. Att. Whitehall."

. Eine quelle für die haupthandlung des stückes ist nicht bekannt. Köppel sieht in Leon „eine glückliche nachahmung von Ben Jonson's schelmischer Epicoene“ (vgl. p. 116, QuellenStudien).

Die nebenhandlung, die sich auf Perez und Estifania bezieht, ist aus der elften der Cervantes'schen Novelas Exemplares genommen,- welche betitelt ist: El Casamiento Engañoso. Weber giebt eine inhaltsangabe derselben, die Dyce „with very considerable alterations“ dem stücke voraus schickt. Vgl. auch Bahlsen, ,,Eine Komödie Fletchers, ihre spanische Quelle und die Schicksale jenes Cervantesschen No

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