Imágenes de páginas
PDF
EPUB

brief an seinen bruder und seine schwägerin vom Febr. 1819) giebt Forman III LXXXVI zwei zusätze: 'Which it would do I fear pushed to an extremity' und 'They get their food in the same manner', die beide samt dem satze, der schon in Houghton's angeblich richtigem texte stand: 'In wild nature, the Hawk would lose his breakfast of robins, and the Robin his of worms; the Lion must starve as well as the Swallow', deutlich sich als zusätze des abschreibers verraten; was man bis jetzt lesen muss, ist sinnlos. Am auffälligsten ist die rücksichtslosigkeit des abschreibers bei einer stelle III 264: 'I have a firm belief in immortality, and so had Tom', die in wirklichkeit heisst: 'I have scarce a doubt of immortality of some nature or other — neither had Tom' (III XLVIII). Bei Keats, der sonst in religiösen fragen stets negativ ist, war eine solche stelle freilich auffällig, und Rossetti s. 159 kommt sie auch wenig beweisend vor, aber Clarke z. b. beruft sich triumphierend auf diese gefälschte stelle: 'A passage in one of Keats's letters to me evidences that he had a firm belief in the immortality of the soul, and as he adds, 'so had Tom', whose eyes he had just closed' (IV 339).

Zu der inneren unmöglichkeit, wie es mir wenigstens scheint, die briefe für die charakteristik auszunutzen, tritt so noch die äussere schwierigkeit der wertordnung, der unvollständigkeit und des richtigen textes, und wenn man die erste nicht einzusehen vermochte, so hätte man doch durch die zweite etwas zurückhaltender werden sollen; denn in dem briefwechsel von Keats finden sich alle diese äusseren schwierigkeiten vereinigt, die z. b. für Goethe's briefe in vielen fällen gar nicht vorhanden sind und so diese briefe zu etwas wichtigerem wenigstens brauchbar machen. Den briefen von Keats (für sich allein genommen) müssen wir deshalb jegliche bedeutung absprechen, ausgenommen jene ganz allgemeine und geringe, von der nachher noch die rede sein wird. Wenn wir trotzdem fortwährend von den briefen gebrauch machten und trotzdem zu ziemlich sicheren resultaten gelangt zu sein glauben, so zwang uns erstens zu unserem verfahren die bisherige verwendung dieser briefe in der litteratur und die absicht, diese biographen und kritiker mit ihren eigenen waffen zu schlagen, und zweitens glauben wir keins unserer resultate im letzten grund mit einer briefstelle gestützt zu haben. Dies war uns möglich einerseits durch eine konsequente benutzung des ganzen materials und eine ständige vergleichung, durch die wir eine übereinstimmung von zwei oder drei personen erzielen konnten. Für diese vergleichung aber, die natürlich auch die bisherige litteratur kannte, war es von der grössten wichtigkeit, dass wir die grössere glaubwürdigkeit von George Keats und Haydon gegenüber Clarke und vor allem Brown erweisen zu können meinten. Die entwertung nun der zeugnisse Brown's stützt sich wiederum nicht auf jene absprechenden, bitteren worte von Keats, sondern hat ihren grund in unserer allgemeinen kenntnis der dinge, in unserem verstande, der es uns zur pflicht macht, menschliches menschlich zu betrachten. Wenn mir jemand z. b. von seinem bekannten erzählt, dass der zustand der trunkenheit bei diesem ganz unmöglich sei, so werde ich, mag der freund sein wer er will, diesem zeugnisse einiges misstrauen entgegen bringen; es wird uns schwer, uns jemand vorzustellen, bei dem etwas so menschliches von vornherein ausgeschlossen sein soll. Wenn aber Brown, der mit Keats in täglichem verkehr lebte, mit emphase eine solche behauptung ausspricht von dem dichter, von dem wir nur ein paar zeilen zu lesen brauchen, um zu wissen, dass die sinne bei ihm eine grosse, ja die grösste rolle spielen, so müssen wir ihn, d. h. Brown, für einen wissentlichen entsteller der wahrheit halten. Wir fragen dann nach dem damit verfolgten zweck und kommen so auf den richtigen weg zur durchforschung des materials. So wie in diesem besonderen fall glauben wir überall vorgegangen zu sein, wir haben das leben von Keats mit unseren eigenen augen angeschaut, wir haben es in das volle licht der gegenwart gestellt und zugesehen; was sich hier noch davon erkennen lässt.

Zusammenfassung der resultate. Es scheint nun, als ob unsere so oft verneinende arbeit wenig positives geleistet habe; man würde vor allem an stelle des zerstörten charakterbildes ein anderes, durch wirkliche kritik in seinen grundzügen gesichertes bild gesetzt zu sehen wünschen. In der that war es meine absicht ein solches bild zu geben, aber bei tieferem eindringen zerrann mir das material unter den händen. Ich musste mich darauf beschränken, die hemmnisse, die der dilettantismus der bisherigen litteratur über Keats einer gesunden betrachtung dieses dichters entgegenstellte, zu beseitigen, und diese arbeit war nötig, da jener dilettantismus unwidersprochen herrschte. In der stellung zu den briefen fand das bisherige, kritiklose verfahren seinen schärfsten ausdruck, und so wurden die briefe zum angelpunkt dieser arbeit. Um die wertlosigkeit der bisherigen litteratur recht zu erkennen, war es notwendig, das briefmaterial nach allen seiten hin vorzuführen, und diese eindringliche beschäftigung mit den briefen zwang schliesslich zu einer mehr oder weniger widerwilligen anerkennung der wertlosigkeit der briefe von Keats überhaupt für eine charakteristik dieses dichters; das scheinbar so glänzende material vernichtete sich selbst. Das positive der arbeit aber möchte ich in dem versuche sehen, nun wirkliche grundlagen für eine gesunde kritik zu schaffen, ich wollte nicht nur das bestehende gebäude zerstören, sondern gleichzeitig ein neues, ganz anderes fundament legen. Indem ich das trügerische des briefmaterials aufdeckte, verlegte ich gleichsam den schwerpunkt der litterar-historischen betrachtung aus dem leben in die werke des dichters, aus der vergangenheit gleichsam in die gegenwart, denn die werke des dichters leben mit uns, reden' und zeugen von einem menschen, der in ihnen sein bestes, ihm eigentümliches gab, im übrigen aber lebte er wie wir alle, gut und schlecht, niemals vollkommen. Keats war ein mensch und will als mensch angesehen werden, nicht als gott (cum grano salis!), wie man es bisher gethan hat, indem man künstler und mensch erst trennte und dann, weil man ein falsches bild von dem künstler bekam, dieses glaubhafter zu machen suchte durch ein noch falscheres, weil unnatürlicheres bild des menschen. Unser standpunkt aber verlangt, dass man an die werke des dichters mit allgemeinen, menschlichen massen herangehe, nicht mit denen irgend einer kunsttheorie; wir verlangen das, weil wir einen künstler für grösser halten, je menschlicher, je natürlicher er ist. In diesem veränderten und begründeten standpunkt der betrachtung erblicken wir das positive der arbeit. Jene züge des charakterbildes des dichters, mit denen wir in gegensatz zu den bisherigen anschauungen treten, sind nichts weniger wie charakteristisch, sie sind selbstverständlich und allgemein menschlich, und man würde nie an ihnen

210

TH. EICHHOFF, KEATS' BRIEFE.

gezweifelt haben, wenn man nicht, von einer falschen auffassung des künstlers ausgehend, gezwungen worden wäre, das natürliche unnatürlich zu machen. Wir konnten jene züge in den briefen nachweisen und so am gründlichsten die falschen ansichten zerstören, aber bewiesen sind diese züge für jeden, der die werke des dichters kennt, durch ihre selbstverständlichkeit. Der in seinen werken marklose!) dichter war es auch in seinem leben, denn der kernpunkt der dichtung ist auch der kernpunkt des menschen, und es ist so überaus bezeichnend, dass der beweis der kraft und festigkeit des dichters nur mit briefzitaten zu erbringen war. Mit briefzitaten allein aber lässt sich nie und nimmer etwas beweisen; diese gern zugegebene aber so leicht missachtete regel hoffen wir an einem sprechenden beispiel wieder einmal klar gemacht zu haben. Unsere untersuchung zwingt uns, den briefen von Keats für die erkenntnis des charakters des dichters jeglichen wert abzusprechen, und da die schwierigkeiten, die sich der ausnutzung dieses besonderen briefwechsels entgegenstellen, uns als ebenso unüberwindliche wie allgemein bestehende erscheinen, so glauben wir an der brauchbarkeit von briefen für die charakteristik überhaupt berechtigte zweifel hegen zu dürfen.

1) Man halte mir hier nicht Hyperion entgegen, 'inspired by the Titans' und 'as sublime as Aeschylus' (übrigens auch ein briefzitat, für das wir ruhig Byron die volle verantwortung überlassen), denn der durch Milton hier künstlich erregte schwung der seele erlahmt schon gänzlich am schlusse dieses kleinen fragments und die spätere überarbeitung ist für die wahre natur des dichters sehr charakteristisch. Begeisterung für die schönheiten Keats’scher poesie hat mich zuerst zu dem dichter hingezogen und diese begeisterung ist mir geblieben, gereinigter und schöner, weil wahrheit am ende immer nur wohlt hut.

MARBURG i. H., Mai 1900.

Th. EICHHOFF.

JOHN CAPGRAVE UND DIE ENGLISCHE SCHRIFTSPRACHE. )

Vierter teil: Formenlehre.

I. Substantivum.

1. Genetiv. ($ 217) Bei Capgrave und in den Paston Letters ist der genetiv in vielen fällen endungslos. Zunächst fehlt, wie oft im Me., die kasusendung bei den verwandtschaftsnamen, so his fader blessyng Chr. 29 (doch his fadirs scheep 39), in his modir wombe 46 usw., moder gen. : other Kath. I 753, undre my moodre seall 2JP III 103, hyr broder advice MP II 26, myn unkyll masagear (Bote) * III 221 usw. Ferner werden ebenso behandelt (ganz oder z. t. unter afz. einfluss, vgl. Einenkel in Pauls Grundriss 12 & 142 y) 1. Eigennamen, vgl. Tubal hamberes Chr. 8, Philippe, Alisaundre brothir 53, Jozabeth, the Kyngis dowtir Joram 41, the name of Abraham frend 11, the chaumbir of Constantin dowtir 80, Herbert (Gen.) partye Wo I (417), Heydon son MP II (125) doch Dame Elyzabeth Brewsys lettyr 3JP III 198. 2. Titel: the emperoure moder Chr. 70, the duke doutir of Normandie 127, the duke of Ostrich men 146, the Pope bridil 103, the King hed 133, the erle doutir 175, the Abbot chambir 187, on the queen (doch ae. gen. cwëne) side 195,

the Duc men Norf. II (205), the Kynge lawys 2WiP III 259, the Kyng wyffe Wo I (417), my maister evidences, yn my maister name Wo I 370 usw. 3. Andere appellativa: a carter child Chr.

1) Fortsetzung aus band XXIII heft II s. 153–194, heft III s. 323–375 und heft IV s. 427-472 dieser zeitschrift.

« AnteriorContinuar »