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und mit Einem Griff, überall das Rechte gefunden und aus fich herausgebildet hätte, denn dann hätte es ja das objectivste von allen sein müssen. Daß fich dieses Wunder an England nicht vollzogen hat, beweisen eben seine Aussprache - Wörterbücher. Es find-dies Versuche, die Einzelne aus dem Volke gemacht haben, die unbegriffene fremde Sprache in ihren Lauten zu verstehen, zu fiftiren und zu regeln, eben weil sich bereits große Verirrungen sehr fühlbar gemacht hatten; - many pronuntiations, sagt Shes ridan, which thirty or forty years ago were confined to the vulgar, are gradually gaining ground; and if something be not done to stop this growing evil, and fix a general standard at present, the English is likely to become a mere jargon, which every one may pronounce as he pleases ; aber keinem dieser Einzelnen ist es noch gelungen, etwas absolut Gültiges über die Aussprache aufzustellen, eben vielleicht weil fie als Theile dieses Ganzen die Sache nicht minder subjectiv auffaßten und vielleicht auffaffen konnten als das Ganze felbst, so daß bis jeßt immer ein Ors thoepist mehr und minder wieder umgestoßen, was ein anderer aufs gebaut hat, und zwar in ganz kurzen Zwischenräumen, so daß man nicht sagen kann, es hatte inzwischen, etwa nach Jahrhunderten, die Sprache den und den bestimmten Charakter angenommen. Nein, zwischen dem Sheridanschen und Walferschen Wörterbuche z. B. liegen nur einige wenige Jahre und doch welcher Unterschied! Also, es lies gen nur vor Systeme, Meinungen, Ansichten, und nichts weiter. Und daß, in der That, Sheridan's Worte „which every one may pronounce as he pleases“ – buchstäblich wahr geworden sind, dies kann das jüngste englische Aussprache-Wörterbuch des James Knowles beweisen. - 3ft es denn nun aber, bei dieser Sachlage und bei fo bewandten Uinständen zu fühn, für den dem Volfe verwandten und befreundeten Ausländer, diese Zustände init der Fackel der Vernunft und der Wissenschaft zu beleuchten und zu prüfen, und fich so selbstftändig und mit Gründen seine eigene Meinung zu bilden? Dies wird er wohl dürfen, eben weil etwas Positives nicht vorliegt, dies wird er sogar müssen, wenn er nicht unselbstständig bloß nachsprechen will und mitmachen, was heute Mode ist und es morgen nicht sein kann. Weiter aber, in der That, haben es die Engländer in der lautlichen Entwicelung ihrer Sprache nicht gebracht; zu einer rein objectiven Auffassung derselben, zu einer wissenschaftlichen Begrün

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dung der Lautgefeße ihrer Sprache sind sie bis jeßt nicht gekoms men, eben weil sie zu subjectiv, zu einseitig national, zu erclusiv englisch gewesen sind. Wir Andern aber, wenn wir nicht bloß der Mode huldigen, sondern der Sache auf den Grund fommen, kurz, die Wahrheit finden wollen, wir müssen den grade entgegengeseks ten Weg einschlagen, wir müssen vorzugsweise den fremden Ele: menten, die in der Sprache vorliegen, den einzelnen Nationalitäten, die darin zu vertreten find, gerecht werden; und thun wir dieses, so werden wir, meist weit ab von Walfer und Genossen, immer wieder auf Sheridan zurückommen müssen, weil wir am meis ften Ursprünglichkeit und „Naturwüchsigkeit“, wenn von solcher in Bezug auf die englische Aussprache überhaupt die Rede sein kann, da finden werden, wo wir am wenigsten Raisonnement und Schule finden. Ich habe diesen Weg betreten – leider nicht ohne vielfache eigene Verirrungen -, habe viel Manuscript ins Feuer geworfen, habe lange Jahre, schwere, oft qualvolle Tage und Nächte darüber hingebradit; aber ich werde, unbeirrt von dem Geschrei der soges nannten praktischen Leute, so Gott wil, die Sache glüdlich zu Ende führen; wo nicht, so werden Andere, hoffe ich, den Weg weiter gehen, den ich angedeutet habe, denn nur er fann zum endlichen Ziele führen. England aber mag bedenken, daß es mit jedem Mißlaut mehr, den es in seine Sprache bringt, das Unrecht mehrt, somit Sinn und Gefühl für Recht und Wahrheit mindert und schwächt, und zuleßt der Barbarei Thür und Thor öffnet; emag zusehen, daß es nicht, wie das alte Rom, durch Mißachtung der höchsten Güter des Lebens, Barbaren anheimfalle, die ihm zwar nicht von außen, wohl aber von innen kommen können, zu fommen drohen; es mag zusehen, daß nicht das prophetische Wort „des Alten“, obwohl bei anderer Gelegenheit und in Bezug auf Anderes gesprochen, in Erfüllung gehen möge: „the great country may yet live to see distress.“

Um aber schließlich, nach dieser Digression, noch mit zwei Worten auf unsere Hauptfrage zurückzukommen, so glaube ich, Herrn Flügel bewiesen zu haben, daß er im Unrecht ist; daß der gerühmte sog. praktische Standpunkt der bisherigen Sprachmeisterei in Wahrheit ein unbrauchbarer und niedriger ist und die deutsche moderne PhiCologie einen weit höhern, echt wissenschaftlichen einzunehmen trachten muß, weil ihre Aufgabe eine unendlich große und wichtige werden kann, die zusammenfällt mit der Gesammtaufgabe, welche die Vorfes hung unserem Volfe gestellt haben mag, voraufzugehen den Völkern der Erde im Kampfe für, und im Ringen nac), Wahrheit und Recht, Gesittung und Bildung. Jena.

Voigtmann.

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Die Vorfilben De oder Dé, Re oder Ré

im Französischen.

Zu den häufigsten Verstößen, welche Deutsche beim Sprechen und Schreiben des Französischen fich zu Schulden kommen lassen, gehört unstreitig die Verwechselung des accentuirten oder lauten mit dem nicht accentuirten oder halblauten e. Der erste und allgemeinste Grund zu dieser Erscheinung liegt aber in der nationalen Verwöhnung der Organe, durch welche die dem Franzosen ganz geläufige Unterscheidung der verschiedenen Abstufungen des E-Lautes, dem süds und mitteldeutschen Ohre wenigstens, eine schwer zu bewältigende Schwierigfeit darbietet. Eine nicht minder störende Ursache mag darin liegen, daß der gelehrte Deutsche, welcher die im Französischen gebrauchten Lautzeichen in der griechischen Sprache als Ton zeichen verwendet zu sehen gewohnt ist, fich nur mit einem gewissen Widerstreben in jenen ihm abnorm scheinenden Gebrauch zu finden vermag, welcher jcdoch mit der Lautlehre der Sprache eng verschmolzen ist. An folchen Lehranstalten nun, wo diese beiden Gründe, bei dem häufig zerrissenen Unterrichte in den neueren Sprachen, vereint wirken, darf es nicht Wunder nehmen, wenn viele Schüler die Anstalt verlassen, ohne mit diesem Höchst einfachen Gefeße in's Klare gekommen zu sein. Endlich liegt ein großer Theil der Schuld dieser Unklarheit an der Ungenauigkeit vieler deuts schen, wie früher auch französischen Druckwerfe in dieser Beziehung. Wenn man nämlich auch mit Vergnügen wahrnimmt, daß die Erzeugnisse deutscher Pressen hierin seit etwa 15 Jahren weit reiner geworden sind, als die der Glanzperiode Meidinger's, wo man noch brébis, dévancer, dénier (denarius), dévise, rélatif, religion, sécrétaire, dangereux u. a. m. lesen fonnte, so fehlt es doch auch ießt nicht an französtschen Büchern, welchen, gehörten fte der griechischen Literatur an, ihrer ungenauen Accentuirung wegen, der Eingang in Schulen mit Recht untersagt würde.

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Es kann hier nicht die Absicht sein, den ganzen betreffenden Theil der Orthoepie auszuführen; folgende Untersuchung soll sich vielmehr darauf beschränken, die Schreibung, und mithin den Laut, der mit de oder dé, re oder ré anfangenden Wörter, sofern diese Partifeln als Vorsilben zu einem Stamme treten, dein jeßt bestehenden Gebrauche gemäß festzustellen, wobei sich, wie bei vielen ähnlichen Untersudịungen, der Beweis ergeben wird, daß weder die Zus grundlegung der römischen Schriftsprache, noch überhaupt eine ausschließlich etymologische Behandlung von wesentlichem Nußen sein fann. Aber auch selbst bei der historischen Verfolgung der Sprachdenkmale möchte die Sprache der ersten Jahrhunderte, ihrer vielfältigen Wechselfälle wegen, kaum geeignet fein, über die beregte Frage Licht zu verbreiten, wozu noch foinmt, daß die Accente, um die es sich hier handelt, durch die Buchdruckerkunst festgehalten, erst ain Ende des sechszehnten Jahrhunderts *) allgemeine Geltung erhielten, weil, so lange die beiden Hauptdialekte um den Vorrang stritten, die Laute selbst schwanften **), bis endlich die durch die Grammatifer vorgenommene Sichtung die Sprache in orthoepischer Beziehung zu Dem machte, was sie jeßt noch ist. — In diese Zeit müssen wir uns daher verseßen, um die der Sprache selbft abgewonnenen Normen feftzuhalten.

*) Accente, besonders der accent aigu, kommen, nach den von O. L. B. Wolff, Deler 11. A. mitgetheilten Sprachproben, schon im zwölften Jahr: yünderte, und zwar in der Provençalsprache wie in den nördlichen Denkmalen vor. Ob man die Unregelmäßigkeit im Gebrauche dieser Zeichen dem Mangel an festem Princip, dem Schwanken der Laute oder der Widfür der Abschreiber Schuld geben soll, mögen Diejenigen entscheiden, welche Gelegenheit haben, Manuscripte zu sehen. In dem Anhange zu Diez, Poesie der Troubadours, worin der Apostroph häufig ist, fand ich nur zwei Accente in dem Verse Tan soi consîres. Dieses Bedenken wird ferner bestätigt durch die im Hefte II. res Ar chi vs mit: getheilten Stylproben aus den Pariser Bibliotheken, endlich aus folgender Stelle von A. W. Schlegel je pense qu'on pourrait se permettre de régler l'orthographe des Troubadours (?); je pense qu'on pourrait employer avec avantage les accens, soit pour diriger la prononciation, soit pour distinguer les homonymes.“ (Damals war Raynouard's Werk noch nicht erschienen.) Aber auch selbst nach der Feststellung des Gesekes gab es noch hartnäckige Schriftsteller, welche keine Notiz davon nahmen : De Brosses, Traité de la Formation mécanique des Langues, 1765, nimmt den accent grave auf der penultima noch nicht an, und schreibt noch féve, siécle.

**) Péchéour, pécheour, pécheur; Jéhan, Jehan, Jean u. r. w.

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I. Im Augemeinen steht die Regel fest, daß a) die Vorsilbe de, vom lateinischen de, welche als Präposition oder Casuszeichen schon ein selbstständiges Eigenthum der Sprache war, accent- oder laut108 blieb, so fern sie zu fest eingebürgerten Gebilden trät, wie in debout, deçà, dedans, dehors, delà, demander, demi, depuis, derechef, devant u. Abgel., devenir, devers, (devis und) devise; aus Gründen der Analogie auch in demain und demeure, jeßt auch in degré. b) Laut oder accentuirt ist dagegen dé, meist vom lateinischen dis oder di, ital. di, entsprechend den deutschen Vors filben zer, ver, ent, als défaire, von dis und facio, décharger, von dis und dem schon bestehenden primitivum charger, andere, welche mehr der Schriftsprache als der Volkssprache angehören, behielten dis oder di unverändert bei, weil die Grammatifer mit Hintanseßung ihrer eigenen Nationalität, nur vom Lateinischen ausgingen, und das Französische als eine hinfende Tochter einer wohlgebildeten Mutter" ansahen; daher discerner, diffamer, disloquer; disgrâce behielt feine italienische Form. Aber auch vom lateinischen de, wie défendre, déléguer, démontrer, dénoncer, welche vom Lateinischen oder Italienischen unmittelbar entlehnt wurden. Ueberhaupt aber erschien die Ableitung einer nicht geringen Anzahl von Wörtern aus dis, di oder de ale höchst inißlich, indem selbst im Lateinischen diese beiden Partikeln ihrer Anwendung nach, eins ander bisweilen fo nah rücken, daß sie sich fast decken, wenn auch einem Lateiner ex professo der Unterschied zivischen depello und dispello, dejicio und disjicio, dependeo und dispando *) ganz klar

*) Die Académie führt unter de auf: dejungere und disjungere, despoliare und dispoliare, determinare und disterminare, und meint nur, die französischen Formen ließen sich gleichgültig aus einem oder dem andern lateinischen Worte abteiten. Unter Roman liest man : Langue romane = la langue qui s'est formée de la corruption du latin et qui a été parlée et écrite dans le midi de l'Europe depuis le dixième siècle jusqu'à la fin du treizième. Eine weitere Bedeutung des Wortes roman geht nur vag aus den Zusäßen des Complément hervor.

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